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Die Geschichte des Freisinger Volksfests

Seit 90 Jahren, so ist die offizielle Zeitrechnung, findet das Freisinger Volksfest bereits statt. Doch schon einige Jahre früher gab es bereits Vorläufer - einer endete in einer Katastrophe.

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Das Freisinger Volksfest steht vor der Tür – und heuer wird das 90-jährige Jubiläum gefeiert. Die Zeitrechnung beginnt 1929. Doch eigentlich ist die Volksfest-Tradition schon wesentlich älter und datiert bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Wir schreiben das Jahr 1874, so ist es zumindest überliefert, als es in Freising zum ersten Mal so etwas wie ein Ur-Volksfest gab. Das hat der Historiker Wolfgang Grammel vor einigen Jahren herausgefunden. In unregelmäßigen Abständen fanden diese Feste damals statt, nach 1874 war acht Jahre Pause, danach ging es im Dreikaiserjahr 1888 weiter, ehe 1899 zunächst eine Zäsur stattfand.

Dieses Volksfest wurde nämlich von einem Hochwasser heimgesucht, das damals seinesgleichen suchte. Hans Gruber schreibt in seinem Werk „Felder, Lerchen und unsere Stadt“ von einer Veranstaltung voller Katastrophen. Nicht ein Feuerwerk eröffnete damals am 8. September die Festtage, sondern ein Donnerschlag. Der Himmel verdunkelte sich und trotzdem strömten die Menschen nach Freising zum Festplatz – dort, wo heute das neue Freisinger Schwimmbad „fresch“ steht. Sonderzüge gab es, zu Fuß, auf dem Fahrrad, mit allen nur möglichen Verkehrsmitteln pilgerten die Menschen in die Domstadt. Nachdem es zur Mittagszeit aufklarte, war die trübe Stimmung wie weggeblasen. Der Festzug konnte stattfinden, das Bier floss in Strömen – die Maß kostete damals 30 Pfennig – und verschiedenste Schausteller, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, sorgten 1899 für die Unterhaltung. Den kleinsten Hirschen der Welt gab es da zu bewundern, Russlands größter Soldat außer Diensten wurde präsentiert (ein Mann namens Pisjak mit 2,41 Meter), Deutschlands größtes und schwerstes Riesenmädchen, ein Flohzirkus und vieles mehr gab es da zu sehen. Den Freitag überstand man weitgehend unbeschadet. Doch die folgenden Tage wurden zum Problem.

Schwere Regenfälle suchten Freising heim, am Sonntag stellte sich gar ein heftiger Sturm ein, der die Fahnen zerriss. In den Brauerei-Stätten herrschte freilich Hochbetrieb, war man dort ja weitgehend von Petrus‘ Kapriolen geschützt. Es regnete, hagelte gar, die Festwiese war zur Schlammwiese verkommen. In Lerchenfeld stieg das Grundwasser, die Isar machte ihrem Spitznamen „Die Reißende“ alle Ehre. Auch die angesagte Verlängerung des Volksfests konnte man nicht mehr durchziehen – die Schausteller mussten eilig ihre Geschäfte abbauen, weil die Isar im Begriff war, den Damm zu überspringen. Die Feuerwehr schlug Alarm. Frauen, Kinder und Tiere wurden schnell in Sicherheit gebracht, die Wiese wurde überflutet. Noch am selben Tag, mittlerweile war der 13. September da, musste die Feuerwehr wegen der Wassermassen die Räumung des Platzes abbrechen. Es war nichts mehr zu retten.

30 Jahre dauerte es, bis die Freisinger sich wieder an ein Volksfest trauten. 1929, und somit der Beginn der „modernen Volksfest-Zeitrechnung“, war es noch stark landwirtschaftlich geprägt, mit Viehschauen und dergleichen. Während des Zweiten Weltkrieges war freilich Pause – erst 1949 ging es weiter, ebenso mit landwirtschaftlicher Orientierung. Erst in den folgenden Jahren bekam das Volksfest einen ähnlichen Charakter wie es heute hat. Mit viel Spaß, Musik und feinstem Bier der Freisinger Brauereien.