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Zum Michaelitag: Warum war das Brauen im Sommer früher verboten?

Wir feiern Brausilvester! Und dazu gibt es gleich eine Geschichte zum Michaelitag - hier wird erklärt, welche Bedeutung dieser Tag früher hatte.

Wusstet ihr, dass man früher von Georgi (23. April) bis Michaeli (29. September) kein Bier brauen durfte? Kein Scherz: In den Sommermonaten standen die Sudkessel leer und die Brauereien still. Woran das lag? Nun, in erster Linie daran, dass es keine großartigen Möglichkeiten zum Kühlen des Bieres gab. Sobald es warm wurde, setzten die hohen Temperaturen dem Bier zu sehr zu – es kippte. Bei uns in Weihenstephan waren unsere Lagerkeller schon immer tief im Berg zu finden, freilich ein kleiner Vorteil gegenüber Brauereien, die ihr Bier nicht im Schutz eines dunklen und kühlen Berges aufbewahren konnten. Auch heute reifen unsere Bierspezialitäten noch am selben Ort unter besten Bedingungen. Zugegeben, vielleicht mit ein bisschen mehr Edelstahl als vor einigen Jahrhunderten…

Bei der Lagerung der Biere musste man sich etwas einfallen lassen

Apropos Lagerung: Natürlich wurde man früher auch kreativ! Denn um das Bier frisch zu halten, wurden diverse Bierkeller errichtet. So auch bei uns in Freising, wo man diese Keller teilweise sogar noch besichtigen kann. Auch am Fuße des Weihenstephaner Berges existieren solche Gewölbe – die sogenannten Sporrerkeller. Nachdem es unter der Erde oder im Berg natürlich kühl, aber nicht kalt ist, musste man erneut in die Trickkiste greifen – und schon im Winter vorausplanen. Da holte man sich nämlich Natureis aus den naheliegenden Seen, Flüssen und Teichen und brachte sie in die Keller, um die Fässer auf niedriger Temperatur zu halten. Kleine Info am Rande: Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Bierkeller als Luftschutzbunker benutzt.

Ein anderer Grund für das Brauverbot zwischen Georgi und Michaeli war allerdings auch die hohe Brandgefahr im Sommer. Als in den Mälzereien teils tropische Temperaturen herrschten und zudem die Stätten nicht durch niedrige Temperaturen von außen gekühlt wurden, kam es zu diversen Bränden – auch deshalb wurde das Brauverbot zwischen Georgi und Michaeli umgesetzt.

Woher das Märzenbier seinen Namen hat

Früher, als das Verbot weite Regionen Bayerns umfasste (auch für das bis zur Säkularisation bestehende Fürstentum, das Freising mit einschloss, bestand eine solche Regelung), konnte man erst im Oktober wieder anfangen, Bier einzubrauen. Die frisch geernteten Rohstoffe Hopfen und das aus der Gerste und Weizen gewonnene Malz kamen da gerade recht. Deshalb spricht man auch vom Brausilvester – quasi dem Ende des Brauwirtschaftsjahres zu Michaeli Ende September. Was dann anschließend vielerorts eingebraut wurde, war ein Winterbier mit etwas weniger Stammwürze, mit dem man durch die kalten Monate kam. Im März wurde, um die Haltbarkeit über den Sommer zu verlängern, ein stärkeres Bier produziert – daher kommt auch der Name Märzenbier.

In diesem Sinne: Wir wünschen allen ein wunderbares Brausilvester – prost!